Heute geht es mal um ein Thema, das hier so noch nie angesprochen wurde und ich dies auch eigentlich ganz bewusst nicht vorhatte. Worum es geht? Um den neuen so inflationär gebrauchten Begriff des Bodyshamings.

Warum ich das jetzt schreibe, obwohl ich das nie vorhatte? Weil ich in den letzten Tagen einen Blogbeitrag gelesen habe, bei dem mir mal kurz der innere Mittelfinger bis zum Himmel geschossen ist und ich vor Wut gern ein Schild gemalt hätte. Da es im Blogger-Business scheinbar usus ist, niemanden direkt beim Namen zu nennen und ich über die Schreiberin gehört habe, dass sie unfassbar gut im Austeilen, aber so viel weniger gut im Einstecken ist, werde ich mich dem gleichtun und ihren Namen nicht nennen. Worum es aber in ihrem Beitrag ging, hier kurz einmal zusammengefasst: Sie findet es nicht okay, wenn sich dünne Frauen mit scheinbar perfekten Körpern über ihre Makel aufregen oder diese nach außen mitteilen, weil sich dadurch weniger dünne Frauen, wie sie, diskriminiert fühlen. Auch ist es nicht in Ordnung, Veränderungen des eigenen Körpers mitzuteilen, da sie sich über diesen Körper auch mit dieser Veränderung so sehr freuen würde. Als Maßstab: Normaldünne Frauen = Konfektion 36 – 38. Die sollten gefälligst froh darüber sein, was sie haben. Gejammert werden darf wohl erst darüber. (Wie sieht es bei Frauen aus, die unterhalb einer 36 sind? Direkt in eine Klinik einweisen, Frau K.*?)

Ausschlaggebend für den Rundumschlag an Einschränkung war ein Foto, das ich ebenfalls bei Instagram gesehen habe. Nike von thisisjanewayne.com zeigt sich hier in zweierlei Optik: Einmal stehend und gestreckt mit flachem Bauch und toller Taille. Titel des Bildes: „Instagram Life“. Auf der anderen Hälfte des Fotos sitzt sie mit rundem Rücken auf einem Stuhl und zeigt ihre dadurch entstandenen Röllchen am Bauch. Titel dieses Bildes: „Real Life“. Worum es hier bei geht? Es ist ein Teaser für einen Beitrag, der, meiner bescheidenen Meinung nach, einfach nur genial ist. Habt ihr ihn noch nicht gelesen, tut es – das kann ich auch der Verfasserin des Bash-Artikels empfehlen, die scheinbar sofort wie vom Konfektionsgrößenregelbuchhafer gestochen, darauf losgetippt hat und so sehr damit beschäftigt war, Gift zu verspritzen und digitale Schellen zu verteilen, dass für eine ordentliche Recherche einfach keine Zeit blieb. Schade, Schokolade. (Darf ich das als eine 34/36-Konfektion überhaupt sagen?)

Ich würde gerne erst einmal damit beginnen, zu hinterfragen, wie man hier auf eine Standard-Konfektion von 36/38 kommt. Wie groß ist diese Standard-Frau bei dieser Standard-Größe? 1,40m? 1,80m? Ist es hier überhaupt von Bedeutung, dass die Körpergröße bei der Konfektion eine unfassbar wichtige Rolle spielt oder schwächt das nur die so überzeugenden Argumente ab und wird daher lieber ignoriert? Sind Argumente eigentlich noch Argumente, wenn so viele wichtige Aspekte einfach der Einfachheit halber ignoriert werden? Gut, wenn ich eines in meinem Studium gelernt habe, dann, dass man immer nur aus der eigenen Perspektive betrachten kann. Hier gehe ich mit. Aber wie ignorant und voreingenommen, selbstherrlich und spitzzüngig man bei dieser subjektiven Betrachtung ist, kann man im Gegenzug dazu sehr gut beeinflussen.

Als Frau mit der von ihr so verhassten Standardkonfektion 36 (Manchmal sogar 34. Sorry.) möchte ich natürlich zunächst einmal sagen, dass es mir unendlich leid tut, dass du dich ob meiner/ unserer (Lasst uns alle Frauen in Konfektionsgrößen kategorisieren, das ist individuell genug!) gelegentlichen Unzufriedenheit meines Körpers gegenüber, unwohl fühlst. Dieses Level von Egozentrik war mir bislang unbekannt und ich habe das Memo scheinbar nicht bekommen, dass besagt, dass sich Frauen erst ab Größe 40 gelegentlich unwohl fühlen dürfen. Auch scheine ich die Infoveranstaltung verpasst zu haben, in der es darum ging, dass dünne Frauen kein schwaches Bindegewebe haben. Zum Stammtisch, an dem beschlossen wurde, dass Frauen in der „normalen“ Konfektion einfach still zu sein haben, da sich sonst die Frauen außerhalb dieser Konfektion unwohl fühlen, war ich irgendwie auch nicht eingeladen. Welche Mitteilung mich allerdings erreicht hat, ist die Frage, ob ich die einzige Leserin war, die gecheckt hat, dass die Frau, die sich hier so geistreich, wortgewaltig und engagiert über das leidige Thema „Bodyshaming“ auslässt, genau das in diesem Artikel selbst macht. „Normale“ Frauen sollen still sein? Warum denn? Habe ich mit einer „normalen“ Kleidergröße mein Recht auf subjektive Makel abgegeben? Oder entscheiden jetzt neuerdings andere Menschen für mich darüber, ob und worüber ich schreibe/ denke/ spreche/ poste? Es gibt viele Menschen, die mir sagen, dass ich mit meinem Körperbau wohl mehr als gesegnet sei. Ich habe recht lange Beine für meine Größe, eine schmale Taille und bei der Möpsevergabe habe ich (warum auch immer) wohl auch relativ laut „hier“ geschrien. Stehe ich nun deswegen jeden Morgen auf, gucke in den Spiegel und denke mir: „JA MANN! DU GEILES STÜCK, watt siehste heute wieder geil aus!“, weil andere nun meinen, ich sei so gesegnet? Nein, Mann! Fühle ich mich in meinem Körper an blöden Tagen besser, weil es Menschen gibt, die eine größere Konfektion tragen, als ich? Natürlich nicht! Sonst würde dieses Argument mit den verhungernden Kindern in Afrika doch auch viel besser ziehen, wenn man über das eigene Leid klagt. Verbiete ich den Freundinnen mit wunderbar vollem und dickem Haar sich darüber zu beklagen, dass sie Spliss haben, nur weil ich zottlige Babyhaare habe?

Es gibt eine wichtige Erkenntnis, die ich in den letzten Jahren für mich gemacht habe: Hass, Missgunst, Wut oder Lästerei Menschen gegenüber, die mehr oder etwas besseres haben als ich, macht mich auch nicht schöner, reicher, dünner oder erfolgreicher. Und nur, weil Frau K. „normale“ Frauen mit ihren Bikinistreifen auf Instagram nicht mehr zu sehen bekommen würde, würde sie dies nicht automatisch zufriedener machen. Du fühlst dich unwohl? Tu’ was! Dir ist dein Genuss wichtiger als eine kleinere Konfektion? Fein! Aber dann weine nicht rum. So so häufig schreien Menschen „Diskriminierung“ und merken überhaupt nicht, dass niemand sie angesprochen oder gemeint hat und sie diejenigen sind, die damit diskriminieren. Lass’ mich meinen Körper so finden, wie ich möchte. Bittedanke und cheers.

Ich denke, ich werde diesen Artikel als Grundstein für eine Kolumne nehmen. Beim Schreiben merke ich nämlich, wie mir nach und nach immer neue Begriffe mit einem „was ich übrigens noch sagen wollte…“ in den Sinn kommen.

*Fiktiver Buchstabe. Gewählt, weil „k“, wie keifend, so passend ist.