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Als mich mein Bruder letztens fragte, wie lang ich jetzt schon Veganerin sei, konnte ich es selbst fast kaum glauben. Fast zwei Jahre ist es her, dass ich aus Kanada zurückkam, wo ich ihn besuchte und meinem Freund verkündete, dass ich ab jetzt versuchen möchte, vegan zu leben. Es war unfassbar interessant, hat mach fasziniert und die vielen neuen Lebensmittel zu entdecken, hat mir Spaß gemacht. Immer, wenn jemand sagte: „Ach, das kannst du leider nicht essen, da ist Fleisch/ Milch/ Käse/ Sahne/ Ei drin“, war meine Antwort darauf immer: „Ich kann. Aber ich will nicht.“ Bis vor einigen Wochen.

Ich traf mich mit einer Freundin zum Essen und als wir jeweils so in die Karten schauten, sagte eine ganz leise Stimme in meinem Kopf: „Wie schön es wäre, mal so entspannt essen zu können, wie sie.“ Ich war überrascht, sehr sogar, aber ich ignorierte es. Doch diese Stimme wurde lauter. Wenn ich eins weiß, dann, dass ich auf mich und eben diese innere Stimme immer vertrauen konnte. Bislang hatte sie eigentlich mit allem recht. Also habe ich ihr letztens zugehört, wobei mir klar wurde, dass mein Verhältnis zum veganen Essen sich von Neugier und Faszination in schon beinahe nervöse Anspannung verwandelt hatte, die mir Steine in den Bauch legten und mir jegliche Lust am Kochen und Essen nahm. Diese Anspannung meint nicht, das Suchen von veganen Optionen im Restaurant oder die vielen tollen Menschen um mich herum, die für mich immer vegane Alternativen vorbereiten. Es geht viel mehr darum, dass ich mich eingesperrt fühle in der Rolle der Veganerin, als die man ein bestimmtes Bild zu erfüllen hat, vor allem auch für sich.

Hier stellte sich mir natürlich die Frage, ob mein eigenes Seelenheil (aka mentale Gesundheit) mehr wiegt, als der Verzicht auf tierische Nahrungsmittel. Diese Frage habe ich mir auch noch immer nicht beantwortet. Allerdings bin ich an einem Punkt, an dem ich mir, nachdem ich beinahe 30 Jahre hauptsächlich damit beschäftigt war, darauf zu achten, dass es allen Anderen gut geht, mir einen gewissen Egoismus zu erlauben, der es mir ermöglicht, dieses Seelenheil zu erhalten. Eine Freundin sagte mir, dass es hier nicht um Egoismus geht, sondern um Selbstverständnis, Selbstliebe und Selbstakzeptanz. Kurzum nannte sie es: Eigenverantwortung. Und ja! Reiner, das trifft es. Ich trage eben nicht nur für allen anderen Wesen dieser Erde eine Verantwortung, sondern auch für mich. Und die erlaubt es mir nun zu sagen, was ich schon seit vielen Wochen gern gesagt hätte:

Hi, ich bin Malena. Ich möchte keine Veganerin mehr sein.

Wie sich das nun auf mein Essverhalten auswirken wird, kann ich an diesem Punkt noch nicht sagen. Möchte ich auch nicht. Pflanzenbasiert werde ich in jedem Fall bleiben, weil es mir schmeckt und gesund ist. Ob ich aber beim monatlichen Mittagessen bei meinem Papa mal wieder eine Portion Spaghetti Bolognese esse, die keiner so kann, wie er, lasse ich mir offen.

Unter’m Strich ist mir jegliches Level meiner Verantwortung bewusst. Der Welt gegenüber, den Tieren gegenüber, als aber auch eben der mir gegenüber. Und so werde ich mir eine Balance suchen, in der tierische und persönliche Lebensqualität beider maßen Platz haben werden.

Dabei belasse ich es für heute und werde nun nach Hofläden und Biomärkten in meiner Nähe suchen, um mir ein paar Eier und einen Gruyère zu kaufen. Von Gruyère habe ich nämlich sogar schon geträumt.

When my brother asked me the other day, how long I have been living vegan now, I could hardly believe that it has been almost two years. I came back from Canada–where I visited him–and announced to my boyfriend that I would like to try to live fully vegan from now on. It was incredibly interesting, fascinating and so much fun to discover all the new food. Whenever someone said, „Oh, you can’t eat that, there is meat / milk / cheese / cream / egg in it.“, my answer was always „I can. But I don’t want to. „Until a few weeks ago.

Some time ago, I met a friend for lunch and when we were looking at the menues, a very soft voice said in my head, „How nice would it be to eat as relaxed as she does.“ I was surprised–a lot–but I ignored it. But this voice grew louder. If I know one thing, then it’s that I can always trust in myself and this inner voice. So far, she was right with everything. So I listened to her, realizing that my relationship to the vegan food had turned from curiosity and fascination into almost nervous tension, which put stones in my stomach and took all pleasure in cooking and eating. This tension doesn’t mean looking for vegan options in the restaurant or the many great people around me who are always preparing vegan alternatives for me. It’s much more that I feel imprisoned in the role of being a vegan; as the one who has to fulfill a certain picture, especially to myself.

Here of course the question arose as to whether my own mental health weighs more than giving up cruelty free food. I’m still not able to answer that question. I’m however at a point where–after almost 30 years of paying attention to everybody else and feeling responsible for everything–I’m able to allow myself a certain egoism to preserve a mental healthy state towards food. A friend told me that this is not about selfishness, but about self-understanding, self-love and self-acceptance. In short, she called it: self-responsibility. And yes! Reiner, that’s it. I’m not only responsible for all the other beings on this earth, but also for me. And this allows me now to say what I’ve already wanted to say many weeks ago:

Hi, I’m Malena. And I don’t want to be a vegan anymore.

At this point, I can’t say how this will affect my eating habits. I don’t even want to. I will surely stay plant based as it tastes good and it’s healthy. But I want to leave it open, if I will feast a round of my dad’s spaghetti bolognese–which is the best in the whole wide world–or not. Just because, I don’t want to tie myself up to something.

I’m aware of all the different levels of my responsibility. Towards the world, towards the animals, but also towards me. And so I will look for a balance in which animal and personal quality of life will both have a place.

I will leave it for today and will now look for farms and organic markets close to my place to buy some eggs and some Gruyère cheese. I even dreamed of Gruyère cheese. I love Gruyère cheese!